Mit HVO100 hat sich gezeigt, dass klimafreundliche Kraftstoffe nicht Zukunftsmusik sein müssen. Millionen Dieselfahrzeuge könnten bereits heute mit einem einfachen Tankvorgang ihre CO₂-Emissionen drastisch senken – ganz ohne Fahrzeugwechsel. Nun zeichnet sich auch für Benziner eine ähnliche Entwicklung ab: E20 könnte schon bald das HVO100 für Benziner werden.

Die neue europäische Kraftstoffspezifikation CEN/TS 18227:2025 schafft die technische Grundlage für Benzin mit einem Ethanolanteil von bis zu 20 Prozent. Erste Testtankstellen in Mannheim und Gießen sind bereits in Betrieb. Sollte die EU die notwendigen regulatorischen Anpassungen vornehmen, könnte E20 deutschlandweit an die Tankstellen kommen – mit Vorteilen für Klima, Verbraucher und Bestandsfahrzeuge.
E20: Mehr Klimaschutz ohne neues Auto
Die Diskussion um klimafreundliche Mobilität konzentriert sich häufig auf Elektrofahrzeuge. Dabei wird oft übersehen, welches Potenzial nachhaltige Kraftstoffe im bestehenden Fahrzeugbestand besitzen.
Während HVO100 den Dieselbereich bereits verändert, eröffnet E20 nun eine vergleichbare Perspektive für Ottomotoren. Der höhere Anteil nachhaltigen Ethanols ermöglicht eine deutliche Reduzierung fossiler Bestandteile im Kraftstoff und schafft gleichzeitig die Grundlage für zukünftige Kraftstoffmischungen mit eFuels und weiteren erneuerbaren Komponenten.
Damit könnte E20 der entscheidende Zwischenschritt auf dem Weg zu nahezu CO₂-neutralem Benzin werden.
Günstiger als E5 – trotz Super-Plus-Qualität

Für Autofahrer bietet E20 nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile.
Der Kraftstoff kostet aktuell in den Testregionen rund 10 Cent weniger pro Liter als E5 und etwa 4 Cent weniger als E10. Gleichzeitig erreicht das dort angebotene E20 durchschnittlich 99 Oktan und übertrifft damit sogar die Mindestanforderung von Super Plus mit 98 ROZ.
Der Preisvorteil entsteht unter anderem dadurch, dass der erneuerbare Ethanolanteil von der CO₂-Bepreisung ausgenommen ist und zusätzlich über die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) refinanziert wird.
Autofahrer erhalten somit einen hochwertigen Kraftstoff zu einem günstigeren Preis.
Viele Fahrzeuge sind bereits heute für E20 freigegeben
Ein häufiges Vorurteil lautet, moderne Benzinmotoren seien für höhere Ethanolanteile nicht geeignet. Tatsächlich haben viele Hersteller ihre Fahrzeuge längst darauf vorbereitet.
BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen haben zahlreiche neuere Modelle bereits für E20 oder sogar E25 freigegeben. Die entsprechenden Hinweise finden sich in den Betriebsanleitungen oder direkt auf dem Tankdeckel.
International gehören Kraftstoffe mit deutlich höheren Ethanolanteilen längst zum Alltag. Länder wie Brasilien, Indien, Paraguay, Thailand oder Teile der USA nutzen seit Jahren entsprechende Kraftstoffe – selbstverständlich auch mit Fahrzeugen deutscher Hersteller.
Die technische Grundlage ist also längst vorhanden.
Jetzt ist die Politik am Zug
Mit der neuen Kraftstoffspezifikation CEN/TS 18227:2025 sind die technischen Voraussetzungen geschaffen. Jetzt muss die EU die regulatorischen Rahmenbedingungen anpassen, damit E20 flächendeckend an deutschen Tankstellen verfügbar wird.
Fazit: E20 hat das Potenzial, für Benziner das zu werden, was HVO100 heute bereits für Dieselfahrzeuge ist – ein bezahlbarer, nachhaltiger Kraftstoff für den bestehenden Fahrzeugbestand.

