Fliegen mit HVO100: Erstflug einer Cessna mit non-fossilem Diesel statt Kerosin

Am 25. Juni wurde auf dem Flugplatz Leck in Nordfriesland ein Stück Luftfahrtgeschichte geschrieben: Erstmals startete eine Cessna offiziell mit HVO100 statt mit fossilem Kerosin. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Rundflug aussah, ist tatsächlich ein Meilenstein für emissionsarme Mobilität und ein Beispiel dafür, wie alternative Kraftstoffe den Flugverkehr der Zukunft voranbringen können.

HVO100 (Hydrotreated Vegetable Oil) ist ein synthetischer Dieselkraftstoff, der vollständig aus biologischen Rest- und Abfallstoffen wie gebrauchten Speiseölen oder tierischen Reststoffen hergestellt wird. Gegenüber fossilen Kraftstoffen lassen sich die CO₂-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus um bis zu 90 Prozent reduzieren. Während HVO100 im Straßenverkehr bereits erfolgreich eingesetzt wird, ist nun auch der Einsatz in der Luftfahrt möglich.

Dieser Erfolg ist das Ergebnis jahrelanger Entwicklungsarbeit. Werner Schweizer, Aufsichtsratsvorsitzender der Grenzland Bürgerenergie, setzte sich bereits vor vier Jahren dafür ein, den von Frank Thielert entwickelten Dieselflugmotor auch für den Betrieb mit HVO100 zuzulassen. Es folgten umfangreiche Testläufe und ein aufwendiges Zulassungsverfahren – zunächst für den Motor, anschließend für das gesamte Luftfahrzeug mit Tanks, Leitungen, Filtern und den entsprechenden Flughandbüchern.

Bereits 2022 erwarb Schweizer eine gebrauchte Cessna 172 und ließ sie in Slowenien mit dem Dieselmotor sowie modernster Avionik umrüsten. Heute wird die Maschine bei FLM in Kiel für die Instrumentenflugausbildung eingesetzt. Dank des sparsamen Antriebs kann sie bis zu acht Stunden in der Luft bleiben. Der Motor benötigt dabei nur etwa halb so viel Kraftstoff wie vergleichbare amerikanische Benzinflugmotoren.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die umgerüstete Cessna 172 gilt nach aktuellem Kenntnisstand als das erste Flugzeug weltweit, das offiziell und legal mit HVO100 betrieben werden darf.

Am Steuer des Premierenflugs saß Werner Schweizer selbst. Mit an Bord war Staatssekretär Joschka Knuth (Bündnis 90/Die Grünen) aus dem schleswig-holsteinischen Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN). Seine Teilnahme unterstreicht die Bedeutung dieses Meilensteins für eine emissionsärmere Luftfahrt und das Potenzial von HVO100 als Kraftstoff. Es ist eine sofort verfügbare Lösung, die bestehende Technik nutzt und den Übergang zu einer emissionsärmeren Mobilität, auf der Straße ebenso wie in der Luft, erleichtern kann.

Der Erstflug in Leck war deshalb weit mehr als ein symbolischer Moment. Er zeigt, dass Innovation, Beharrlichkeit und regionales Engagement konkrete Lösungen hervorbringen können und dass HVO100 das Potenzial hat, einen wichtigen Beitrag zu einer emissionsärmeren Mobilität zu leisten.

Fotos: Tim Riediger/nordpool