Neue HVO100 Studie: Wie klimafreundlich ist HVO100 Diesel wirklich?

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) hat im Mai 2026 unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Thomas Heinze eine umfassende Meta‑Studie zu HVO100 Diesel veröffentlicht. Sie zeigt klar: HVO100 ist eine sofort verfügbare Möglichkeit, die CO₂‑Emissionen des bestehenden Dieselbestands drastisch zu senken. Laut Studie sind „Einsparpotenziale von bis zu 96%“ möglich, abhängig von der eingesetzten Rohstoffbasis.

HVO100 wird überwiegend aus Rest- und Abfallstoffen hergestellt und erfüllt die Norm EN 15940. Der Kraftstoff besitzt eine außergewöhnlich hohe Cetanzahl von über 70, verbrennt deutlich sauberer als fossiler Diesel und enthält praktisch keine Aromaten. Das führt zu weniger Ruß, einem ruhigeren Motorlauf und selteneren Regenerationszyklen der Abgasnachbehandlung. Die Studie belegt außerdem, dass HVO100 nicht nur ökologisch, sondern auch technisch Vorteile bringt: Geringere Ablagerungen im Kraftstoff- und AGR‑System, reduzierte Wartungskosten und eine hohe Lagerstabilität.

Ein weiterer zentraler Befund: Der neue Diesel kann ohne technische Umrüstung in allen modernen Dieselmotoren eingesetzt werden. Länder wie Schweden, die Niederlande oder Italien zeigen bereits, wie schnell ein flächendeckendes HVO‑Tankstellennetz entstehen kann. Die Studie verweist darauf, dass die Produktion heute fast vollständig auf Abfallstoffen basiert und künftig durch alternative Quellen wie Algen- oder Jatrophaöl erweitert werden könnte.

Damit positioniert sich HVO100 als sofort einsetzbarer Kraftstoff, der zur Defossilisierung des Verkehrssektors seinen Beitrag leisten kann.


Die neue HVO100-Metastudie hat ROTH Energie zum Anlass genommen, die Ergebnisse in einer eigenen Podcastfolge näher zu beleuchten. Warum die Studie aus Sicht von ROTH Energie besonders relevant ist und welche Erkenntnisse daraus für die Praxis abgeleitet werden können, erläutert Kim Backhaus, Leiter Marketing bei ROTH Energie, im folgenden Interview.

Interview mit Kim Backhaus, Leiter Marketing bei ROTH Energie:

Kim Backhaus
Leiter Marketing bei ROTH Energie

1. Was hat Sie dazu bewegt, die HVO100-Studie jetzt in Ihrem Podcast ausführlich aufzugreifen?

Zwei Jahre nach dem Verkaufsstart von HVO100 in Deutschland gibt es nun erstmals eine wissenschaftlich fundierte und technisch belastbare Gesamtbetrachtung des Kraftstoffs. Die Studie von Prof. Heinze liefert nicht nur politische oder ideologische Einschätzungen, sondern bewertet HVO100 faktenbasiert – von der CO₂-Bilanz über Emissionen bis hin zu Motorverträglichkeit, Infrastruktur und Nachhaltigkeit. Gerade in der aktuellen Debatte um technologieoffene Mobilität ist das ein wichtiger Beitrag.

2. Welche Rolle spielt diese Studie in der aktuellen Debatte um alternative Kraftstoffe?

Die Studie bringt endlich wissenschaftliche Sachlichkeit in eine oft sehr emotional geführte Diskussion. Besonders relevant ist dabei, dass HVO100 nicht als Konkurrenz zur Elektromobilität verstanden werden muss, sondern als sofort verfügbare Ergänzung – insbesondere für den bestehenden Fahrzeugbestand. Prof. Heinze zeigt klar auf, dass Millionen bestehender Dieselfahrzeuge kurzfristig defossilisiert werden könnten, ohne neue Fahrzeuge oder zusätzliche Infrastruktur bauen zu müssen. Gerade im Schwerlastverkehr, bei Flotten oder im ländlichen Raum ist das ein entscheidender Punkt.

3. Welche praktischen Schlussfolgerungen lassen sich aus der Studie ziehen?

Die wichtigste Botschaft lautet: HVO100 ist keine Zukunftstechnologie mehr, sondern bereits heute sofort nutzbar. Die Studie zeigt, dass eigentlich alle Dieselfahrzeuge den Kraftstoff ohne technische Umrüstung nutzen können. Gleichzeitig profitieren Nutzer von einer saubereren Verbrennung, geringeren Rußemissionen und potenziell reduzierten Wartungskosten. Für Flottenbetreiber ist besonders relevant, dass sich CO₂-Emissionen kurzfristig reduzieren lassen, ohne Fahrzeuge austauschen oder Ladeinfrastruktur aufbauen zu müssen. Genau darin sieht die Studie eines der größten Potenziale von HVO100.

4. Die Studie kritisiert eine mangelnde politische Anerkennung. Wo sehen Sie die größten Hürden?

Die größte Hürde ist aus meiner Sicht weniger die Technik als vielmehr die politische Einordnung. Die Studie macht deutlich, dass HVO100 in Deutschland trotz hoher CO₂-Einsparpotenziale bislang nicht denselben politischen Stellenwert erhält wie batterieelektrische Lösungen. Die zentrale Frage wird deshalb sein, ob Politik künftig technologieoffener denkt und anerkennt, dass Klimaschutz im Verkehr nicht ausschließlich elektrisch funktionieren wird, sondern auch über erneuerbare Kraftstoffe im Bestand.

Die Ergebnisse der Studie können Sie auch in der neuesten Podcastfolge „Die HVO100 Metastudie – Fakten und Ergebnisse“ von ROTH Energie anhören: info.roth-energie.de/roth-energie-podcast