Mazda will Auto zum „Negative Emission Vehicle“ machen: Wie HVO100 und CO₂-Abscheidung zusammenwirken

Die Zukunft des Verbrennungsmotors wird häufig vorschnell als entschieden betrachtet. Doch während politische Strategien stark auf batterieelektrische Antriebe fokussieren, arbeiten Hersteller wie Mazda weiterhin intensiv an innovativen Lösungen zur Emissionsminderung. Ein aktuelles Beispiel ist die Entwicklung eines mobilen CO₂-Capture-Systems, das einen Teil des im Abgas entstehenden Kohlendioxids direkt im Fahrzeug bindet. Beim 7. Lauf der Super Taikyu Series 2025 auf dem Fuji International Speedway nahm erstmals ein mit „Mazda Mobile Carbon Capture“ ausgerüsteter Mazda3 unter realen Rennbedingungen teil. Das vierstündige Rennen diente als Härtetest für das neue CO₂-Abscheideverfahren – mit Erfolg.

Unter den anspruchsvollen Bedingungen des Motorsports konnte das System nachweisen, dass es CO₂ direkt aus dem Abgasstrom abscheiden kann. Mazda kündigte an, die Technologie auch 2026 in der Rennserie weiter zu testen, um die Abscheidungsrate weiter zu verbessern.

Das Verfahren basiert auf einer porösen Zeolith-Struktur: Zwei parallel arbeitende Stränge mit jeweils einem Gebläse und einem CO₂-Abscheider leiten abwechselnd einen Teil der Abgase durch einen Entfeuchter und anschließend durch das Zeolith-Material. Dort wird das CO₂ gebunden. Sobald ein Abscheider gesättigt ist, schaltet das System auf den zweiten um. Der gefüllte Abscheider wird erhitzt, das CO₂ freigesetzt und in einem separaten Tank im Fahrzeug chemisch gespeichert. Das abgeschiedene CO₂ kann anschließend weiterverwendet werden – etwa zur Herstellung von Kunststoffen, zur Anreicherung von Gewächshausluft oder perspektivisch zur Produktion synthetischer oder biogener Kraftstoffe. Damit entsteht ein geschlossenerer Kohlenstoffkreislauf.

HVO100 im Renneinsatz: Sofort wirksame CO₂-Reduktion

Besonders bemerkenswert ist: Der Testwagen wurde auf dem Fuji Speedway mit HVO100 betrieben. Damit kombinierte Mazda erstmals zwei Hebel zur Emissionsreduktion: Erneuerbaren Kraftstoff und CO₂-Abscheidung im Fahrzeug. HVO100 Diesel wird aus Abfall- und Reststoffen wie gebrauchten Speiseölen oder tierischen Fetten hergestellt. Je nach Rohstoffbasis kann über den gesamten Lebenszyklus hinweg eine CO₂-Reduktion von bis zu 90 Prozent gegenüber fossilem Diesel erreicht werden. Anders als viele Zukunftstechnologien ist HVO100 bereits heute verfügbar an immer mehr Tankstellen und kann bei entsprechender Herstellerfreigabe in vielen bestehenden Dieselfahrzeugen eingesetzt werden.

Gerade diese Kombination zeigt das Potenzial eines technologieoffenen Ansatzes: Während das CO₂-Capture-System perspektivisch zusätzliche Emissionen reduziert, sorgt HVO100 bereits unmittelbar für eine deutlich verbesserte Klimabilanz. Ohne erneuerbaren Kraftstoff würde auch ein Abscheidesystem lediglich fossiles CO₂ verwalten. Erst durch biogene oder erneuerbare Kraftstoffe entsteht ein echter Vorteil.

Multi-Solution-Strategie statt Einzellösung

Mazda verfolgt das Ziel, bis 2050 weltweit CO₂-Neutralität zu erreichen und gleichzeitig die europäischen Zwischenziele für 2030 und 2035 einzuhalten. Der Hersteller setzt dabei auf einen sogenannten Multi-Solution-Ansatz. Neben batterieelektrischen Fahrzeugen, Plug-in-Hybriden, Voll- und Mildhybriden spielen weiterhin optimierte Verbrennungsmotoren sowie CO₂-neutrale Kraftstoffe eine zentrale Rolle.

Gerade für Bestandsflotten, Nutzfahrzeuge und Anwendungen mit hoher Energiedichte bietet HVO100 bereits heute eine praktikable und skalierbare Lösung. Die Infrastruktur ist weitgehend vorhanden, die Umstellung kann schrittweise erfolgen und die Emissionsminderung tritt sofort ein.

Der erfolgreiche Renneinsatz auf dem Fuji International Speedway zeigt: Die Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors ist keineswegs abgeschlossen. In Kombination mit erneuerbaren Kraftstoffen wie HVO100 eröffnet die mobile CO₂-Abscheidung neue Perspektiven für eine klimafreundlichere Nutzung bestehender Technologien.

Während das Carbon-Capture-System noch weiter optimiert wird, ist HVO100 bereits heute ein wirksamer Beitrag zur CO₂-Reduktion. Die Verbindung aus erneuerbarem Kraftstoff und technischer Innovation könnte damit ein wichtiger Baustein einer realistischen und technologieoffenen Mobilitätsstrategie sein.


Weitere Infos unter https://at.mazda-press.com/news/2025/mazda-mobile-carbon-capture-erstmals-erfolgreich-getestet/