Technologieoffenheit statt Verbrenner-Aus: Starkes Signal für alternative Kraftstoffe beim Meilenstein-Event

Die Zukunft der Mobilität gelingt nur mit Technologieoffenheit. Das war die zentrale Botschaft des Meilenstein-Events „HVO100 – Rückblick & Ausblick“, zu dem der Automobilclub Mobil in Deutschland e.V. am 21. Oktober in die Motorworld München eingeladen hatte. Rund 200 Persönlichkeiten und Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft diskutierten im Rahmen der Kampagne „HVO100 goes Germany“ über alternative Kraftstoffe, die Chancen des Bestandsfuhrparks und die Frage, wie es nach dem geplanten Verbrenner-Aus weitergeht.

Zur Begrüßung machte Dr. Michael Haberland, Präsident von Mobil in Deutschland e.V., einen klaren Appell: „Wir müssen die Zukunft des Automobils nicht ideologisch, sondern sachlich, offen und lösungsorientiert diskutieren. Technologieoffenheit ist das Zauberwort. Wir sagen es nicht nur, wir leben es auch vor. Unser Ziel muss sein: Weniger Emissionen statt weniger Technologie, durch Innovation statt durch Verbote.“ Haberland erinnerte an die rund 50 Millionen Pkw im deutschen Bestand, von denen nur 4 bis 5 Prozent rein elektrisch fahren. Hinzu kommen Millionen Lkw, Zugmaschinen, Busse und Motorräder, die weiterhin auf Verbrennungsmotoren setzen. HVO100 ist heute an 785 Tankstellen in Deutschland erhältlich und kann in dafür freigegebenen Dieselmotoren sofort eingesetzt werden. Über den gesamten Lebenszyklus lassen sich mit HVO100 laut Haberland je nach Rohstoff Treibhausgasemissionen gegenüber herkömmlichem B7-Diesel reduzieren.

Begleitend zu Expertenpanels und Podiumsdiskussion gab es zwei Showfahrten direkt durch die Motorworld München mit Feuerwehr-Oldtimern, einem Radlader, aktuellen BMW-Modellen und einem Porsche Cayenne. Im Außenbereich wurden daneben weitere HVO-kompatible Fahrzeuge ausgestellt. Eine mobile Tankanlage demonstrierte die Betankung vor Ort.

Röhrl will seine „Freiheit behalten“

Rallye-Legende Walter Röhrl, zweifacher Rallye-Weltmeister und Unterstützer der Kampagne, begründete im Expertenpanel sein Engagement: „Der erste und wichtigste Gedanke war für mich, dass ich meine Freiheit behalten möchte. Wenn mir einfällt, dass ich noch einen Freund besuchen könnte, der 70 Kilometer weiter wohnt, will ich einfach hinfahren können.“ Mit HVO100 lasse sich diese Freiheit zudem mit einem Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen verbinden, so Röhrl. Beim Abendpodium ergänzte er: „Nur durch die Technologieoffenheit konnte man Dinge probieren und daraus ist das Beste entstanden.“

Umfrage: Bekanntheit von HVO100 leicht gestiegen

Die neue HVO100-Umfrage 2026 von puls Marktforschung (1.608 Interviews, repräsentativ) zeigte, dass sich die Bekanntheit von HVO leicht erhöht hat. Rund jeder Fünfte hat bereits davon gehört. Bei den Dieselfahrern ist es sogar knapp jeder Dritte. Bei der direkten Abwägung zwischen einem Elektrofahrzeug und einem Verbrenner mit nicht-fossilen Kraftstoffen entschied sich jeweils etwa die Hälfte der Befragten für eine der beiden Optionen. Zugleich ist laut Umfrage die Verunsicherung der Verbraucher so groß wie nie. Stefan Reiser, Geschäftsführer von puls Marktforschung, sieht darin eine Aufgabe für Handel und Tankstellen: Sicherheit zu schaffen, zu geben und zu beraten.

Benjamin Kraatz, Leiter Marketingkommunikation bei Sprint Tank, betonte das Potenzial: „Unsicherheit ist auch eine Chance. Wir können Menschen mit der richtigen Information überzeugen, dass sie ihr Fahrzeug behalten können, ohne Investitionen in eine neue Antriebsart.“

HVO100 geht weit über den Pkw hinaus

Im dritten Panel zeigte sich, wie breit HVO100 einsetzbar ist. Dr. Markus Heidak von Zeppelin Rental, berichtete, dass das Unternehmen weit über 11.000 vom Motorenhersteller für HVO freigegebene Produkte im Portfolio hat. Bei schweren Baumaschinen ab etwa 19 Tonnen sei eine Elektrifizierung schwierig, HVO dort aus seiner Sicht eine sehr gut geeignete Lösung.

Lara Wahr von Fritz Wahr Energie, deren Unternehmen bereits 15 seiner 34 MTB-Tankstellen auf HVO100 umgestellt hat, berichtete von durchweg positiven Kundenreaktionen: „Wer einmal umgestellt hat, der fährt dann eigentlich auch nichts anderes mehr.“ Unter anderem dank eines HVO100-Preises unterhalb des Dieselpreises habe sich der Absatz im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Die Referenten forderten von der Politik verlässlichere Rahmenbedingungen, Preisparität zum Diesel und die Befreiung von der Energiesteuer.

Der Kunde hat die Wahl

Dr. Johannes Schmid, Lead for Drivetrain Policy, Emissions and eMobility bei BMW, erläuterte, dass Technologieoffenheit in allen Antriebsarten, auch im Fahrzeugbestand, Beiträge zur CO2-Reduktion ermöglichen könne. Der Kunde solle dabei in keiner Weise eingeschränkt werden. Der Konzern befüllt seit Anfang 2025 alle in Deutschland produzierten Diesel-Neufahrzeuge ab Werk erstmals mit HVO100. Schmid appellierte zudem, die Debatte um E20 und die Abschaffung der Schutzsorte E5 voranzubringen. Philipp Arner von BK Benzin-Kontor, der inzwischen mehr als 5 Millionen Liter HVO verkauft hat, ergänzte: „Wir müssen diese Offenheit im Markt präsentieren und den Kunden wieder selbst entscheiden lassen, statt ihn zu bevormunden.“

Auch Glenn Schmidt, Vice President Global Sustainability bei der BMW Group, unterstrich in der Abendrunde die strategische Bedeutung: „Technologieoffenheit und Technologievielfalt zu beherrschen, ist keine Schwäche, sondern eine Stärke.“ Beim Klimaschutz plädierte er dafür, den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs zu betrachten.

Patrick Fruth, CEO der TÜV SÜD Division Mobility, hob die technische Seite hervor: HVO100 zeige, dass Technologieoffenheit mehr sei als ein Schlagwort, da der Kraftstoff helfe, bestehende Verbrennungsmotoren weiterzuentwickeln. Für ihn gehört zur Technologieoffenheit auch ein Stück Freiheit, nämlich selbst zu entscheiden, welche Antriebstechnologie man fährt und wie man sie betankt.

Raffi Cataldi, Werkstattbetreiber und reichweitenstarker YouTuber, berichtete aus der Praxis: Die Begeisterung in seiner Community steige, viele Nutzer berichteten von positiven Erfahrungen. Er wünscht sich für Deutschland „hocheffiziente Verbrennungsmotoren, die parallel dazu auch noch Spaß machen“.

Für ein kurzes Grußwort sprach CSU-Generalsekretär Martin Huber mit einem klaren politischen Bekenntnis: „Wir sagen ganz klar Ja zu persönlicher Mobilität, Ja zum Auto und auch Ja zum Verbrenner. Das Aus vom Verbrenner-Aus muss kommen, damit hunderttausende Beschäftigte in der Autoindustrie und bei den Zulieferern einen sicheren Arbeitsplatz haben.“ Technologien setzten sich laut Huber durch Überlegenheit durch, nicht durch das Verbot von Alternativen.

Dr. Michael Haberland zog zum Abschluss ein Fazit: „Das Auto ist und bleibt das Verkehrsmittel Nummer eins in Deutschland. Wir brauchen Fakten statt Vorurteile, Innovation statt Stillstand und Technologieoffenheit statt Einbahnstraßen.“

Das Event wurde ermöglicht durch die Unterstützung von BK Benzin-Kontor, BMW, Fritz Wahr Energie, das Kfz-Gewerbe Bayern, Motorworld München, puls Marktforschung, ROTH Energie, Sprint Tank, TÜV SÜD und Zeppelin Rental. Die Kampagne „HVO100 goes Germany“ wird zudem von zahlreichen Partnern getragen, die auf hvo100.team aufgeführt sind.

Impressionen vom Meilenstein-Event „HVO100 – Rückblick & Ausblick“

Fotos: Mobil in Deutschland e.V.