Wie sich der Preis von HVO100 zusammensetzt – und warum er sich am Diesel orientiert

HVO100 ist ein erneuerbarer Dieselkraftstoff, der ohne fossiles Rohöl hergestellt wird. Umso überraschender wirkt es für viele, dass sich sein Preis häufig parallel zum klassischen Diesel (B7) entwickelt. Dahinter steckt jedoch kein Widerspruch, sondern ein international etabliertes System, das sicherstellen soll, dass HVO weltweit handelbar bleibt und seine CO₂‑Vorteile korrekt abgebildet werden.

Globale Preisbasis und Rolle der THG-Quote

Obwohl HVO100 nicht aus Erdöl gewonnen wird, orientiert sich sein Marktpreis an der internationalen Dieselnotierung. Diese Kopplung dient als gemeinsame Preisbasis, damit der Kraftstoff in verschiedenen Ländern vergleichbar bleibt. Nationale Unterschiede bei Steuern, Rohstoffkosten oder Beimischungsquoten würden sonst zu stark auseinanderlaufenden Preisen führen. Die Kopplung sorgt also für Stabilität und ermöglicht überhaupt erst einen funktionierenden globalen Handel mit HVO.

Ein wesentlicher Unterschied zu fossilem Diesel ist die Treibhausgasquote (THG‑Quote). Sie verpflichtet Mineralölunternehmen, CO₂‑Emissionen zu reduzieren oder entsprechende Kosten zu tragen. Bei Diesel führt eine steigende Quote zu höheren CO₂‑Abgaben und damit zu höheren Preisen. Bei HVO100 hingegen ist die CO₂‑Einsparung bereits vollständig im Produktpreis enthalten. Dadurch wirkt die Quote gegensätzlich: Was Diesel verteuert, entlastet HVO und umgekehrt. Ohne diesen Effekt würde HVO100 erheblich teurer sein. Die THG‑Quote kann bei HVO daher auch nicht separat verkauft werden, wie es beispielsweise bei Elektrofahrzeugen möglich ist.

Warum HVO100 trotzdem teurer erscheinen kann

Neben der Dieselkopplung wirken weitere Marktkräfte direkt auf den HVO‑Preis. Sie haben nichts mit Rohöl zu tun, beeinflussen den Preis aber spürbar. Dazu gehören hohe Weltmarktpreise für die Rohstoffe wie Abfallöle und Fette, die weltweit stark steigende Nachfrage nach erneuerbarem Diesel und der Fakt, dass ein großer Teil der globalen HVO‑Produktion in Beimischungen statt in Reinkraftstoff fließt.

Gerade der hohe Anteil an Beimischungen ist ein zentraler Faktor: Damit diese Mischungen wirtschaftlich funktionieren, müssen die Preise von Diesel und HVO eng miteinander verbunden bleiben. Das führt dazu, dass HVO‑Preise Dieselbewegungen folgen, auch wenn die Ursachen völlig unterschiedlich sind.

Die Preislogik von HVO100 ist auf den ersten Blick nicht intuitiv. Sie sorgt jedoch dafür, dass der Kraftstoff weltweit verfügbar bleibt, seine CO₂‑Vorteile korrekt bewertet werden und er im Markt bestehen kann. HVO100 ist kein fossiler Kraftstoff, aber er ist Teil eines globalen Systems, das erneuerbare und fossile Komponenten miteinander verknüpft, um Versorgungssicherheit und Vergleichbarkeit zu gewährleisten.


Weitere Informationen zum aktuellen HVO-Preis, den Durchschnittspreisen der Vergangenheit und zum Preisabstand B7 und HVO gibt es hier: Diesel- & HVO-Monatsdurchschnitte – omr.de