Eine neue Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) im Auftrag der BMW AG zeigt, dass Europa seinen gesamten Kraftstoffbedarf im Straßenverkehr bis 2040 vollständig aus erneuerbaren Quellen decken könnte. Bereits 2030 wären mehr als die Hälfte des Bedarfs durch nachhaltige Kraftstoffe abbildbar. Grundlage dafür sind große Mengen an Rest- und Abfallstoffen, die in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Haushalten ohnehin anfallen und bisher nur teilweise genutzt werden.
Professor Thomas Hirth, Vizepräsident Transfer und Internationales des KIT, sagt: „Europa verfügt langfristig über ausreichend nachhaltige Ressourcen, um ohne fossiles Öl mobil zu sein. […] Wenn wir Rest- und Abfallstoffe effizient nutzen, können wir den Straßenverkehr unabhängiger von Energieimporten machen und gleichzeitig CO₂-Emissionen senken.“
Großes Potenzial aus Reststoffen

Die Studie macht deutlich, dass Europa über eine breite und stabile Rohstoffbasis verfügt. Pflanzenreste, Holzfasern, Stroh, biogene Abfälle sowie Zwischenfrüchte und Energiepflanzen auf wenig ertragreichen Böden bilden zusammen ein enormes Potenzial. Diese Vielfalt sorgt dafür, dass die Versorgung nicht von einzelnen Rohstoffen abhängt und keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entsteht.
Ein weit verbreiteter Irrtum wird ebenfalls adressiert: Alt‑Speiseöl als Rohstoff spielt nur eine sehr kleine Rolle. Professor Thomas Koch vom KIT betont: „Tatsächlich macht es nur etwa ein Prozent des Rohstoffportfolios aus.“ Die großen Mengen stammen aus pflanzlichen Reststoffen und Holzfasern – Stoffe, die ohnehin anfallen und in großen Mengen verfügbar sind.
HVO100 als bereits verfügbarer Dieselersatz
Unter den untersuchten Technologien nimmt das HVO‑Verfahren (Hydrotreated Vegetable Oil) ebenfalls eine wichtige Rolle ein. Dabei werden ölhaltige Reststoffe zu einem hochwertigen Dieselersatz verarbeitet. HVO100 ist bereits heute an vielen Tankstellen erhältlich und kann ohne technische Anpassungen in bestehenden Dieselmotoren genutzt werden. Damit bietet HVO100 eine sofort verfügbare Möglichkeit, CO₂‑Emissionen im laufenden Betrieb zu reduzieren – sowohl für private Autofahrer als auch für Unternehmen mit Fuhrparks.
Weitere erneuerbare Kraftstoffe, etwa auf Basis methanolischer Synthesen, befinden sich noch in der Entwicklung. Sie werden am KIT bereits hergestellt und getestet, sind aber noch nicht in größerem Umfang verfügbar. Die Studie zeigt jedoch, dass alle untersuchten Verfahren skalierbar sind und sich die Ausbeute weiter steigern lässt, wenn zusätzlich Wasserstoff eingesetzt wird.
Flüssige Kraftstoffe bleiben wichtig: 2040 ist vollständige Versorgung möglich
Trotz des Ausbaus der Elektromobilität wird Europa langfristig auf flüssige Kraftstoffe angewiesen bleiben. Millionen Fahrzeuge sind bereits im Einsatz und werden noch viele Jahre genutzt. Für diese Bestandsflotte bieten erneuerbare Kraftstoffe eine direkte Möglichkeit, Emissionen zu reduzieren, ohne auf neue Technologien oder Fahrzeugwechsel warten zu müssen. Gerade für Unternehmen, Kommunen und Logistikbetriebe ist das ein entscheidender Vorteil.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Europa spätestens ab 2040 den gesamten Kraftstoffbedarf des Straßenverkehrs aus heimischen erneuerbaren Rohstoffen decken kann. Kurzfristig könnten moderate Importe sinnvoll sein, langfristig ist jedoch keine strukturelle Abhängigkeit notwendig. Voraussetzung dafür sind verlässliche politische Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und ein koordinierter Ausbau der Produktionskapazitäten.
Für HVO100 und andere erneuerbare Kraftstoffe bedeutet das: Sie sind nicht nur eine Übergangslösung, sondern ein zentraler Bestandteil einer klimaneutralen Mobilität in Europa – sofort nutzbar, skalierbar und kompatibel mit der bestehenden Fahrzeugflotte.
Weitere Infos zur KIT-Studie gibt es HIER

