Die EU erhöht ihre Ziele für erneuerbare Energien und die Treibhausgasminderung im Verkehr. Davon können nachhaltig erzeugte HVO-Kraftstoffe profitieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Herkunft und Nachweisbarkeit. Was bedeutet die RED III konkret für HVO100 in Deutschland?
HVO100 ist in Deutschland längst angekommen. Seit dem 29. Mai 2024 darf HVO100 an öffentlichen Tankstellen verkauft werden. Voraussetzung für die Nutzung ist allerdings eine entsprechende Herstellerfreigabe.
RED III: Mehr erneuerbare Energie im Verkehr
Die RED III ist die überarbeitete Erneuerbare-Energien-Richtlinie der Europäischen Union. Sie setzt verbindliche Ziele für erneuerbare Energien und die Dekarbonisierung des Verkehrs.
Bis 2030 können die EU-Staaten im Verkehr entweder einen Anteil von mindestens 29 Prozent erneuerbarer Energie erreichen oder die Treibhausgasintensität um mindestens 14,5 Prozent gegenüber dem festgelegten Ausgangswert reduzieren.
Zusätzlich muss der kombinierte Anteil von fortschrittlichen Biokraftstoffen und Biogas aus den in Anhang IX Teil A genannten Rohstoffen sowie erneuerbaren Kraftstoffen nicht biogenen Ursprungs (RFNBOs) bis 2030 mindestens 5,5 Prozent betragen. Davon muss mindestens ein Prozentpunkt aus RFNBOs stammen. HVO100 ist nicht automatisch auf das 5,5-%-Unterziel anrechenbar. Ob und in welchem Umfang HVO regulatorisch angerechnet werden kann, hängt insbesondere von Rohstoffkategorie, Nachhaltigkeitsnachweis, Zertifizierung und den jeweiligen nationalen Anrechnungsregeln ab.
Herkunft und Nachhaltigkeit werden wichtiger

Für die regulatorische Anrechnung zählt deshalb nicht allein der fertige Kraftstoff. Entscheidend sind auch Rohstoff, Herkunft, Nachhaltigkeit und die nachgewiesene Treibhausgasbilanz.
Eine wichtige Rohstoffquelle für HVO sind Abfall- und Reststoffe wie gebrauchte Speiseöle. Welche Anrechnung möglich ist, hängt jedoch von der konkreten Rohstoffkategorie und den gesetzlichen Vorgaben ab.
Auch das sogenannte ILUC-Risiko spielt eine Rolle. Für Biokraftstoffe aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen gelten besondere Anrechnungsgrenzen. Für bestimmte Rohstoffe mit hohem ILUC-Risiko gelten zusätzliche Einschränkungen beziehungsweise Ausschlüsse bei der Anrechnung.
Die europäische Union Database (UDB) sorgt zudem für mehr Transparenz und Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferketten. Dort werden unter anderem Rohstofflieferungen, Verarbeitungsschritte und Kraftstofftransaktionen erfasst. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass Mengen doppelt angerechnet werden oder die Herkunft von Rohstoffen nicht nachvollziehbar ist.
Für HVO100 wird deshalb immer wichtiger, woher der Rohstoff kommt und wie seine Herkunft nachgewiesen wird.
Deutschland: Die THG-Quote schafft Nachfrage
Die europäischen Vorgaben werden in Deutschland unter anderem über die Treibhausgasminderungsquote, kurz THG-Quote, und weitere Regelungen umgesetzt.
Sie liegt 2026 bei 12 Prozent und steigt bis 2030 auf 26,5 Prozent. Konkret steigt sie auf 17,5 Prozent im Jahr 2027, 19,5 Prozent 2028 und 22,5 Prozent 2029.
Die deutsche THG-Quote ist dabei nicht mit dem 29-Prozent-Ziel der RED III gleichzusetzen. Sie ist ein eigenständiges deutsches Instrument zur Minderung der Treibhausgasemissionen im Verkehr.
Für HVO100 entsteht dadurch ein regulatorischer Rahmen, in dem Kraftstoffe mit nachgewiesener Treibhausgasminderung an Bedeutung gewinnen können.
Was bedeutet das für Autofahrer und Fuhrparks?
Für Autofahrer gilt weiterhin: Das Fahrzeug muss vom Hersteller für paraffinische Dieselkraftstoffe nach DIN EN 15940 freigegeben sein.
Für Unternehmen ist HVO100 besonders interessant. Bei bestehenden Diesel-Fuhrparks kann der Kraftstoff eine Möglichkeit sein, die Treibhausgasbilanz des Fuhrparks zu verbessern, ohne alle Fahrzeuge sofort ersetzen zu müssen.
EDEKA Südbayern setzt HVO100 bereits bei rund 400 Lkw ein. Auch die Deutsche Bahn nutzt den Kraftstoff, unter anderem beim Sylt Shuttle.
Die RED III bedeutet damit nicht einfach „mehr HVO100“. Sie schafft vielmehr einen Rahmen, in dem nachhaltige, nachweisbare und treibhausgasarme erneuerbare Kraftstoffe an Bedeutung gewinnen.
Für Deutschland kommt es deshalb auf eine verlässliche, nachvollziehbare und technologieoffene Umsetzung an.
Denn die Verkehrswende findet nicht nur mit neuen Fahrzeugen statt. Sie findet auch mit den Fahrzeugen statt, die heute bereits unterwegs sind.
Jeder Liter zählt.

